Die Agrotreibstoffproduktion für Europa geht in Afrika zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion

Von Armin Osmanovic, 30.11.2010

Europa erschliesst in Afrika immer mehr landwirtschaftliche Flächen für die Produktion von Agrotreibstoffen. Daneben kaufen auch vor allem Staaten des Mittleren Ostens und China Land in Afrika auf oder mieten es langfristig, um ihre eigene Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten. Gewisse NGO’s sowie die Vereinten Nationen sehen die Agrotreibstoffproduktion und andere landwirtschaftliche Grossprojekte ausländischer Investoren als Chance für die lokale Bevölkerung, die Lebensbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern, indem neue Arbeitsplätze geschaffen, Schulen und Strassen errichtet würden und dadurch insgesamt die Armut überwindet werden könnte. In Afrika ist das Land jedoch weitgehend in Besitz des Staates. Lokale Gemeinschaften und die Zivilgesellschaft werden von den Verhandlungen häufig ausgeschlossen, die Korruption ist hoch. Aus diesen Gründen hegen einige afrikanische NGO’s Bedenken, dass einheimische Kleinbauern, die für die Nahrungsmittelproduktion für Afrika äusserst wichtig sind, verdrängt werden könnten. Ihrer Meinung nach wird das Problem der Ausweitung der Agrotreibstoffproduktion in Afrika für die Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung von den afrikanischen Regierungen sowie von der Weltbank oft komplett ignoriert.

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Studie zu "Agricultural Investment" (auf Englisch)

Landraub für Ethanol in Moçambique

 Von Adam Welz, April 2009

Die Agrotreibstoffindustrie in Moçambique wird von staatlicher Seite massiv vorangetrieben. ProCana, ein Grossprojekt zur industriellen und exportgerichteten Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr, beansprucht mehr als 30´000 ha (75´000 acres) Land, welches der indigenen Bevölkerung abgerungen wird. Das Projekt bedroht auch bestehende Naturpärke, wie den Transnationalen Park und andere Naturschutzprojekte. Da die Plantagen in trockenem Gebiet aufgebaut werden sollen, ist dafür massive Bewässerung notwendig, wozu der nahegelegene Massingir-Fluss angezapft werden soll.

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Geld ist Land

 Lali Cambra, 10. Dezember 2008

Reiche Länder und multinationale Unternehmen sichern sich Lebensmittelreserven, indem sie "Nahrungskolonien" in armen Ländern gründen. Die FAO warnt vor diesem Neokolonialismus und manche Staaten erlassen Schutzgesetze.
"Nie werden wir mit dem grossflächigen Anbau von Energiepflanzen unser westliches Mobilitätsproblem lösen können, dafür verschlimmern wir die Hunger- und Umweltprobleme in den Südländern massiv. Ein weltweiter Stopp dieses Irrweges ist dringend nötig."

Maya Graf, Nationalrätin Grüne, Biobäuerin

Auch Sie können etwas tun

Was Sie tun können um der aktuellen Energie- und Klimakrise entgegenzuwirken:
  • öfter den öffentlichen Verkehr und das Fahrrad benutzen
  • Reisen per Flugzeug einschränken
  • regionale und saisonale Produkte aus fairem Handel bevorzugen
  • Dritte für die Problematik der Agrotreibstoffe sensibilisieren
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